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Den Bogen überspannt

Die Champions League der Frauen hat einen neuen Modus bekommen, der sich am Spielsystem des olympischen Team-Wettbewerbs orientiert. Nur: Die ETTU macht es deutlich komplizierter
von Susanne Heuing

Porträt von Susanne Heuing

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Man könnte meinen, dass sich die Verantwortlichen der ETTU genau das gedacht haben, als sie den Modus für die neue Saison in der Champions League der Damen entworfen haben. In aller Kürze: Das Grundprinzip ist ähnlich wie beim Mixed Team World Cup. Alle Einzel gehen über drei Sätze, pro gewonnenem Satz gibt es einen Punkt fürs Team. Soweit, so einfach.

Man könnte sagen, die ETTU geht mit der Zeit, denn immerhin ist dieser Modus auch für den Team-Wettbewerb der Olympischen Spiele 2028 vorgesehen. Und auch in der Chinese Super League ist man in dieser Saison auf dieses Spielsystem gewechselt. So gewöhnungsbedürftig der Abschied von Best-of-five-Matches auch ist – vielleicht gehört diesem System in Mannschaftskämpfen die Zukunft.

Allerdings ist die Sache in der Champions League der Damen deutlich komplizierter. Während es in Stage 1, der ersten Phase des Wettbewerbs, in zwei Vierergruppen in allen Spielen jeweils bis zum achten Gewinnpunkt ging – wie auch bei Olympia, in der chinesischen Liga und beim Mixed Team World Cup – werden in Stage 2 alle 15 Sätze ausgespielt. Und das in einer Achter-Gruppe im Modus „Jeder gegen jeden". Danach geht es ungewöhnlich weiter. Das Final Four erreichen auf direktem Wege nur die zwei besten Teams aus Stage 2, die Teams von Platz drei bis sechs ermitteln in einer Play-off-Runde die weiteren Teilnehmer am Final Four. Dort wird dann wieder nur bis zum achten Punkt gespielt. Und als wäre das noch nicht genug, dürfen Teams in Königsklasse wie Europe Cup der Frauen künftig zwei Nicht-Europäerinnen zeitgleich einsetzen, während es bei den Männern weiterhin bei einem Nicht-Europäer bleibt.

Es ist an zu vielen Stellschrauben gedreht worden

Wer soll da noch folgen? Tischtennis-Fans sind zwar viele unterschiedliche Spielsysteme und Zählweisen gewohnt, gerade auch aus der Champions League, wo vor ein paar Jahren etwa der verkürzte Entscheidungssatz bis sechs und das Golden Match eingeführt wurden. Mit dem neuen Modus, der wohlgemerkt nur bei den Damen und nicht bei den Herren angewendet wird, wird der Bogen aber weit überspannt. Das Format ist so kompliziert, dass es selbst für Insider kaum nachzuvollziehen ist – von anderen Sportinteressierten ganz zu schweigen.

Die ETTU hat an zu vielen Stellschrauben gleichzeitig gedreht. Und das, nachdem es auch in den Vorjahren häufig Änderungen am Format gab und sich der Weg zum Königsklassen-Titel immer wieder anders gestaltete. So liegt etwa die Einführung des Final Four gerade einmal ein Jahr zurück. Wie soll der Wettbewerb unter diesen Umständen ein klares Profil entwickeln? Kontinuität täte der Champions League gut. Ob sich aber ausgerechnet der jetzt eingeführte Modus dauerhaft durchsetzen wird, darf bezweifelt werden. •

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