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Es war eine ungewöhnliche Konstellation. Als Sabine Winter und Dang Qiu beim Europe Smash im August um den Einzug ins Viertelfinale kämpften, da stand auf der anderen Seite des Tisches ihr Nationalmannschaftskollege Patrick Franziska – gemeinsam mit der Puerto-Ricanerin Adriana Diaz. Winter und Qiu gewannen das Duell in vier Sätzen, aber auch für Franziska hatte sich der Start mit seiner ausländischen Partnerin gelohnt. 150 Punkte für die Mixed-Weltrangliste kassierte der Saarbrücker für den Achtelfinaleinzug – ebenso wie Nina Mittelham, die beim Europe Smash an der Seite des Schweden Mattias Karlsson gestartet war.

Die beiden Deutschen waren mit ihren Partnern längst nicht die einzigen gemischt-nationalen Paare, die in Malmö an den Start gegangen waren. So standen im Achtelfinale auch das französisch-japanische Duo Alexis Lebrun/Satsuki Odo und das dänisch-walisische Paar Anders Lind/Anna Hursey. Solche Kombinationen sind auf der WTT-Tour aktuell keine Ausnahme. Auch im Doppel treten vermehrt Spieler und Spielerinnen aus unterschiedlichen Nationen miteinander an. Starts mit Partnern aus dem Ausland sind derzeit ein beliebtes Mittel, um sich in den individuellen Doppel- und Mixed-Weltranglisten nach vorne zu arbeiten. Im Hinterkopf haben dabei alle schon die Olympischen Spiele 2028. Knapp zwei Jahre vor dem Großereignis in Los Angeles geht es allmählich darum, sich eine gute Ausgangsposition im Rennen um die Olympia-Tickets zu verschaffen.

Nina Mittelham und Rogelio Castro beim WTT Feeder

Partnerwechsel: Nina Mittelham spielte auch schon mit dem Mexikaner Rogelio Castro

„Wir haben unsere Spielerinnen und Spieler angehalten, sich internationale Partnerinnen und Partner zu suchen, wenn es sich anbietet“, sagt Richard Prause, Vorstand Sport beim DTTB. „Sie sollen Erfahrungen und Weltranglistenpunkte sammeln. Wir denken da natürlich auch schon ein bisschen an L.A.“ Eigentlich sei es das primäre Ziel, die nationalen Paare bei möglichst vielen Turnieren an den Start zu bringen – das aber sei aufgrund der WTT-Regularien nicht einfach. Bei Grand Smashes darf nur ein Mixed-Paar pro Nation starten, insgesamt aber vier Spieler eines Nationalverbands, weswegen Franziska und Mittelham beim Europe Smash nicht zusammen antreten konnten, wohl aber mit einem Partner aus dem Ausland. Bei Star-Contender- und Contender-Turnieren sind ebenfalls vier Spieler aus einem Land die Obergrenze, hier dürfen allerdings auch je zwei nationale Paare an den Start gehen. Genauso ist es bei Feeder-Turnieren. Bei Feedern mit Mixed-Qualifikation sind sogar sechs Spieler insgesamt und drei Paare pro Nation zulässig.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Mixed-Felder bei den meisten Turnieren nicht groß sind: Bei Grand Smashes stehen 24 Startplätze zur Verfügung, bei Star Contendern und Contendern 16 im Hauptfeld und acht in der Qualifikation. Davon gehen einige an die Gastgeber, die Wildcards vergeben können. Gibt es mehr Interessenten als Plätze, entscheidet der Combined Pair Rank (CPR), wer einen Platz erhält: Die Positionen der beiden Spieler in der individuellen Mixed-Weltrangliste werden addiert. Je niedriger diese Summe, desto höher steht das Paar in der Reihenfolge für die Startplatzvergabe. „Deshalb ist die Notwendigkeit da, dass unsere Spielerinnen und Spieler in der Weltrangliste weiter nach oben kommen“, erklärt Prause. Mittelfristig, so die Hoffnung, werden dann auch wieder mehr rein deutsche Paare Chancen auf einen gemeinsamen Start haben.

WINTER UND QIU IN GUTER POSITION

Aktuell sind nur Sabine Winter und Qiu Dang in der individuellen Mixed-Weltrangliste weit vorne zu finden (siehe S. 17), mit drei gemeinsamen Viertelfinal-Teilnahmen bei Grand Smashes und dem Finaleinzug beim Star Contender in Ljubljana haben sie sich in die Top 20 gespielt. Sie können damit aktuell bei jedem Turnier, bei dem sie starten wollen, einen Platz bekommen. Die anderen deutschen Nationalspieler und -spielerinnen liegen deutlich weiter hinten. Nur Mittelham rangiert aktuell noch in den Top 100. Platz 97 sei „ein Anfang“, sagt die Berlinerin. Den hat sich die 29-Jährige hart erarbeitet. Sie ist in diesem Jahr bereits bei sieben WTT-Turnieren im Mixed an den Start gegangen, mit vier verschiedenen Partnern: Benedikt Duda, Cedric Meissner, Mattias Karlsson und Rogelio Castro.

Auf vier Starts in diesem Jahr kommt Patrick Franziska, drei mit Diaz, einen mit Annett Kaufmann. „Es ist derzeit ein Kampf um die Startplätze, weil jetzt natürlich alle Nationen viel spielen“, sagt er. Beim China Smash im Oktober wäre er gerne wieder mit Diaz angetreten, das Feld dort ist aber zu gut besetzt, und die Wildcards gingen alle an chinesische Paare bzw. solche mit chinesischer Beteiligung. „Das ganze System ist nicht einfach zu händeln. Es bleibt einem dann nur, zu versuchen, bei kleineren Turnieren Punkte zu sammeln“, sagt Franziska. Auch die Europameisterschaften sind eine gute Gelegenheit, das Punktekonto aufzubessern, hier konnte der DTTB zwei Paare frei melden. Franziska spielt in Ljubljana an der Seite von Annett Kaufmann, mit der er vor zwei Jahren Bronze geholt hat. Das zweite deutsche Duo in Slowenien bilden Benedikt Duda und Nina Mittelham.

Dang Qiu und Sabine Winter

Beste Deutsche im Mixed-Ranking: Dang Qiu und Sabine Winter

VIELE ANREIZE, ABER HOHE BELASTUNG

Mit Blick auf die Olympischen Spiele lohnt es auch, sich gemeinsam als Mixed in der Paar-Weltrangliste nach vorne zu arbeiten. Zwei Startplätze für Los Angeles werden direkt über die Weltrangliste vergeben. Und erstmals dürfen in Los Angeles zwei Mixeds aus einer Nation starten – sofern von der Nation zwei gemischte Doppel in den Top 8 der Weltrangliste geführt werden. Auch hinsichtlich des neuen olympischen Mixed-Team-Wettbewerbs dürften gute Platzierungen im Ranking hilfreich sein. Noch ist nicht ganz klar, wie die Mixed-Team-Weltrangliste – die es im Moment noch gar nicht gibt – berechnet werden wird. Es ist aber davon auszugehen, dass die besten Platzierungen in den Disziplinen, die im gemischten Mannschaftswettbewerb gespielt werden (Herren- und Damen-Einzel, Herren- und Damen-Doppel sowie Mixed) in die Berechnung einfließen werden.

Gute Gründe, künftig viel zu spielen und sich in den verschiedenen Weltranglisten nach vorne zu arbeiten, gibt es also einige. Auf die Aktiven kommen herausfordernde Wochen und Monate zu. Nina Mittelham, die in diesem Jahr auch schon mit verschiedenen ausländischen Partnerinnen Doppel gespielt hat, sagt, es störe sie nicht, bei einem WTT-Turnier in allen drei Konkurrenzen anzutreten. „Es sei denn, es ist ein Feeder-Turnier, da ist der Zeitplan dann doch extrem kompakt. Aber generell spiele ich gerne viel. Doppel und Mixed macht mir Spaß.“ Schwierig sei es allerdings, sich immer wieder auf neue Partner einzustellen. „Man hat halt überhaupt keine Zeit, sich einzuspielen oder viel zu trainieren.“

Richard Prause, Vorstand Sport beim DTTB

Kritischer Blick auf das Olympia-Programm: Richard Prause

Patrick Franziska erzählt, bei Turnieren, bei denen er mit Diaz spiele, versuche er auch, ein gemeinsames Training mit ihr einzulegen. Er habe zwar schon viele Partner und Partnerinnen im Mixed und Doppel gehabt, „aber wenn man sich viel damit auseinandersetzt, lernt man trotzdem immer noch etwas dazu.“ Die Dreifach-Belastung hält auch er für zumutbar: „Bei den WTT-Turnieren geht das eigentlich, bei der DM war es in diesem Jahr etwas stramm.“

Sich die Wettkampfhärte zu holen, die es braucht, um in mehreren Konkurrenzen parallel anzutreten, kann als Vorbereitung auf die Olympischen Spiele nicht schaden. Denn obwohl mit den Doppel-Konkurrenzen in Los Angeles ein weiterer Wettbewerb hinzukommt, bleibt es bei der Obergrenze von insgesamt 172 Spielerinnen und Spielern und maximal je drei Herren und Damen pro Nation. Das könnte bedeuten, dass einzelne Athleten sogar in vier Wettbewerben antreten. „Die Belastung wird extrem, körperlich wie mental“, fürchtet Richard Prause. Dabei sein wollen trotzdem alle – und der Weg zu einem deutschen Mixed in L.A. könnte am Ende vielleicht auch mit ein bisschen Unterstützung aus Puerto Rico oder Schweden gelingen.  •

Susanne Heuing

Fotos: WTT, privat