SPIELER DES MONATS

Aufstieg ohne Höhenflug

Nach einer Saison in der 3. Bundesliga bei Bietigheim-Bissingen ist Connor Green zum Zweitligisten 1. FSV Mainz 05 gewechselt. Dort ist der 20 Jahre alte Engländer mit vier Siegen in die Saison gestartet. Auch international ging es für ihn zuletzt voran

Sportlich geht es für Connor Green derzeit fast nur in eine Richtung: nach oben. Vom TTC Bietigheim-Bissingen in der 3. Bundesliga Süd führte sein Weg vor dieser Saison zum Zweitligisten 1. FSV Mainz 05. International gewann der 20 Jahre alte Engländer in diesem Jahr seinen ersten WTT-Titel im Mixed und holte bei der U21-EM Bronze im Einzel und Doppel. Auch bei der Heim-WM in London im Frühjahr machte Green auf sich aufmerksam, als er im Gruppenspiel gegen China Liang Jingkun erst mit 9:11 im fünften Satz unterlag. Abheben will er trotz alledem nicht. „Ich versuche, nach Siegen nicht zu hoch und nach Niederlagen nicht zu tief zu fliegen“, sagt Green.

Connor Green beim Rückhand-Aufschlag

Markenzeichen: Der Rückhand-Aufschlag ist eine Stärke von Green

Sein Spiel ist dagegen weniger zurückhaltend. Der Rechtshänder sucht den ersten Angriff. Besonders auffällig ist sein Rückhandaufschlag, den er häufig einsetzt. „Ich versuche, von Beginn des Ballwechsels an aggressiv zu sein“, sagt Green. Auch im offenen Spiel will er oft mit seiner starken Rückhand zum Zug kommen, die er manchmal sogar beihändig spielt.

Dass der Rückhandaufschlag heute sein Markenzeichen ist, hat eine Vorgeschichte. Als Green etwa 15 Jahre alt war, hielt einer seiner Trainer seine Vorhand für so schwach, dass er sie möglichst aus dem Spiel nehmen wollte. Also sollte Green mit der Rückhand aufschlagen, schnell zur Mitte kommen und die weite Vorhand vermeiden. Was damals eine Schwäche ausmerzen sollte, wurde in der Folge zu einem festen Bestandteil seines Spiels. Heute arbeitet Green gezielt daran, sein Spiel vielseitiger zu machen. Er möchte öfter mit der Vorhand aufschlagen, den Übergang von Rückhand zu Vorhand verbessern, den Ball früher nehmen und mehr Rhythmus in seine Beinarbeit bringen.

Einen einzelnen Moment, an dem er plötzlich den Knoten durchschlagen und besser gespielt hat, kann Green nicht benennen. Schon vor seinen ersten starken Ergebnissen habe er hart gearbeitet. Dann kamen Erfolge, und mit ihnen das Selbstvertrauen. In Deutschland ist er gerade den nächsten großen Schritt gegangen. Nach zwei Jahren in Frankreich war Green 2025 zum Drittligisten Bietigheim-Bissingen gewechselt, wo er vorne eine 13:7 Bilanz erspielte. Im Sommer folgte der Wechsel nach Mainz in die 2. Bundesliga. In den ersten beiden Spielen gegen Velbert und die Saarbrücker Reserve gelang Green mit vier Einzelsiegen ein glänzender Einstand, erst gegen den 1. FC Köln kassierte er die ersten beiden Niederlagen. Eine konkrete Einzel-Bilanz hat er sich nicht als Ziel gesetzt. Er wolle möglichst viele Spiele gewinnen und der Mannschaft helfen.

Green trainiert aktuell häufig in Düsseldorf. Einen festen Lebensmittelpunkt hat er nicht. „Ich bin ein bisschen überall“, sagt er. Zwischen Ligaspielen, Training und internationalen Turnieren ist sein Alltag wie bei vielen Profis vor allem von Reisen geprägt.

TITEL MIT DER ZWILLINGSSCHWESTER

Tischtennis begleitet Green fast schon sein ganzes Leben. In Nottingham geboren und aufgewachsen, begann er mit fünf Jahren zu spielen, weil seine Eltern selbst im Verein aktiv waren. Mit zwölf zog er ins knapp 50 Kilometer entfernte Grantham, ging dort zur Schule und trainierte täglich. Auch seine beiden Schwestern spielen Tischtennis. Mit seiner Zwillingsschwester Anna gewann Green 2025 sogar den englischen Meistertitel im Mixed. Zu Hause steht der Sport trotzdem nicht ständig im Mittelpunkt. „Wir reden gar nicht so viel über Tischtennis“, sagt Green. Seine Familie verstehe den Sport und unterstütze ihn, ohne dass sich jedes Gespräch darum drehe.

Sein nächstes Ziel sind die Top 100 in der Weltrangliste. Außerdem möchte Green möglichst viele Grand Smashes spielen. Und auch, wenn ihm das gelingen sollte, will er bei seiner Linie bleiben: nach Siegen nicht zu hoch fliegen, nach Niederlagen nicht zu tief.  •

Emine Ernst

Tin-Tin Ho

Tin-Tin Ho, Greens Mixed-Partnerin

„CONNOR IST SEHR KREATIV“

„Ich spiele sehr gerne mit Connor im Mixed. Er bleibt auch in engen Situationen ruhig und weiß meistens genau, was wir taktisch und mental brauchen. Gleichzeitig ist er sehr kreativ: Wenn er seine Chance sieht, geht er konsequent auf den Angriff, spielt aber auch mal einen Chopblock oder eine beidhändige Rückhand. Er kann sich sehr gut auf mein Spiel einstellen. Ich glaube, genau deshalb ergänzen wir uns so gut.“

Fotos: WTT (2), Table Tennis England