TTR-ÜBERFLIEGER

Hoch hinaus

Sie haben ihren TTR-Wert in der vergangenen Rückrunde so stark verbessert wie niemand sonst: Anna Steinmetz, Maximilian Riekenberg und Joanna Theis. In tischtennis erzählen die „TTR-Überflieger“, warum es bei ihnen zuletzt so gut lief

Mut gefasst

Im vergangenen halben Jahr spielte Anna Steinmetz fast jeden Tag Tischtennis. Fünfmal im Training unter der Woche, am Wochenende kamen Punktspiele, Turniere oder weitere Trainingseinheiten dazu. Bis zu sieben Stunden am Samstag in der Halle stehen – das komme durchaus vor, erzählt die 16-Jährige.

Dabei hat die Baden-Württembergerin, die zu Beginn des laufenden Schuljahres in die Oberstufe kam, erst im Alter von 13 Jahren mit Tischtennis angefangen. Zunächst hobbymäßig, bis sie beim TTC Schwarz-Gold St. Ilgen richtiges Training bekam. Ein großer TTR-Zuwachs ließ aber zunächst auf sich warten. „Meine Trainer haben viel Wert darauf gelegt, dass ich eine gute technische Grundausbildung bekomme“, erzählt Steinmetz. Es dauerte, bis es ihr gelang, ihre Fähigkeiten aus dem Training auch im Spiel umzusetzen. Vor allem der erste Topspin auf Unterschnitt gelang ihr nicht auf Anhieb. „Ich habe mittlerweile gelernt, dass der erste Topspin nicht super sein muss. Hauptsache, er kommt auf den Tisch“, sagt Steinmetz.

Mit den ersten Erfolgen wuchs ihr Selbstvertrauen, und sie traute sich immer öfter, ihre Schläge einzusetzen. Als sie dann noch anfing, mehr Turniere zu spielen, da sei der Durchbruch gekommen. In dem halben Jahr machte sie über 400 TTR-Punkte. „Ich habe noch mit meinen 1.200 TTR-Punkten gemerkt, dass ich mit Gegnern mithalten kann, die etwa 1.400 Punkte haben“, sagt Steinmetz. Mit hinein spiele vor allem das viele Training. Sie übt etwa zweimal die Woche mit einem Noppenspieler und trainiert auch grundsätzlich bei den Herren und den Jungen mit. Ihre dadurch erworbene Stärke, den Vorhandtopspin mit Rotation, einzusetzen, machte oft den Unterschied: „Das hat geholfen, um aus dem bloßen Schupf-Konter-Spiel herauszukommen, das viele Mädchen spielen“, erzählt Steinmetz.

Für das Training in St. Ilgen nimmt sie jedes Mal eine lange Hin- und Rückfahrt von über einer Stunde auf sich, verbringt mehr Zeit im Bus als in der Halle. Um den langen Weg nicht jeden Tag fahren zu müssen, trainiert sie inzwischen bei einem zweiten Verein, dem TV Schwetzingen, für den sie mittlerweile auch in der Jugend-Mannschaft gemeldet ist. Für St. Ilgen spielt sie noch im Erwachsenen-Team. Ursprünglich hatte sie sich vorgenommen, unter die 300 besten Mädchen ihres Jahrgangs zu kommen, „jetzt habe ich es sogar unter die Top 100 geschafft“, freut sie sich. Irgendwann, sagt sie, will sie einmal die Deutschen Meisterschaften in einer der Leistungsklassen erleben. Und sollte es weiterhin so gut laufen, hofft Steinmetz, sich mal für ein Ranglistenturnier auf Landesebene zu qualifizieren.  •

Anna Steinmetz am Tisch

Wer wagt, gewinnt: Es dauerte, bis Steinmetz ihre Fähigkeiten umsetzte

Wieder zurück

Vor zehn Jahren hat Joanna Theis schon mal für zehn Jahre Tischtennis gespielt. Angefangen habe sie damals, weil ihr tischtennisbegeisterter Bruder sie ansteckte, erzählt sie. Ihre ganze Jugendzeit verbrachte sie beim TTV Ense in Nordrhein-Westfalen, erreichte dort in der Spitze einen TTR-Wert von etwas mehr als 1.100. Im Jahr 2016 war es dann zu Ende mit Tischtennis – weil sie bei der Bundeswehr anfing. „Es hat zeitlich nicht mehr gepasst, ich war viel unterwegs“, erzählt die 29-Jährige. Inzwischen arbeitet sie bei der Elektronischen Kampfführung. Als Theis dann nach Nienburg an der Weser versetzt wurde, hatte sie im Kopf, wieder mit Tischtennis anzufangen, und suchte sich vor rund einem Jahr vor Ort einen Verein. Im September startete Theis beim TKW Nienburg in der vierten Kreisklasse. „So richtig kam dann das Plus in meiner TTR-Kurve, als ich im Februar angefangen habe, in Niedersachsen die Races zu spielen“, berichtet sie. In der Folge machte sie knapp 300 Punkte plus. Nun ist ihr Ziel, die Marke von 1.500 Punkten zu knacken, um auch in höheren Ligen gemeldet werden zu können. Aktuell geht sie in der zweiten Erwachsenen-Kreisklasse beim TuS Hoya auf Punktejagd.  •

Joanna Theis am Tisch

Rückkehr an den Tisch: Joanna Theis machte zehn Jahre lang Pause

Für Turniere übernachtet

Im Alter von elf Jahren kam Maximilian Riekenberg zum Tischtennis – hörte aber schon nach rund zwei Jahren auf. Stattdessen machte er Leichtathletik und Handball. Nach rund zwölf Jahren Pause kehrte er wieder zum Tischtennis zurück – und fing direkt Feuer. „Ich wollte wieder einen Sport anfangen und habe nur gedacht: Probierst du es halt noch mal mit Tischtennis“, sagt er. Es habe sofort wieder Spaß gemacht. Der 24-Jährige aus Garbsen begann, „wie verrückt drei- bis viermal die Woche zu trainieren“. Zudem fuhr er ab Januar durch ganz Niedersachsen zu „fast allen Turnieren, bei denen man sich einfach so anmelden kann“. Von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends habe er samstags und sonntags in den Hallen gestanden. Teilweise verplante er ganze Wochenenden nur mit Tischtennis. Dafür reist er freitagabends an und übernachtete bis zum Sonntag in Hotels. Durch die Turniere habe er sich spielerisch am meisten verbessert, berichtet der junge Programmierer. Mittlerweile habe er seine Ausbildung beendet und genügend Geld für solche Reisen, dazu habe er viel Freizeit und ein eigenes Auto. Um viermal die Woche trainieren zu können, besucht er zusätzlich einen zweiten Verein.

Konkrete Ziele, wie es im Tischtennis weitergehen soll, hat Riekenberg keine. „Es soll nur weiter nach oben gehen“, sagt er. Ihm sei gar nicht klar gewesen, dass sein großer TTR-Zuwachs so außergewöhnlich sei. Er wolle nur genug TTR-Punkte sammeln, um in der Mannschaft aufzusteigen und künftig in einer höheren Liga spielen zu können.  •

Maximilian Riekenberg

Texte: Timo Gotsch

Fotos: Shutterstock/Penatice, privat (3)